3. FAI Weltmeisterschaft der Klasse F3f

F3f-Team 2016 - Picture by Stefan Bertschi F3f-Team 2016 - Picture by Stefan Bertschi Stefan Bertschi

Als Teammanager des österreichischen F3f-Teams 2016, ist es eine meiner Aufgaben, für den ÖAeC einen Bericht zu verfassen. Leider war mein eingereichter Bericht zu lang, weshalb er nur in einer gekürzten Version vom ÖAeC veröffentlicht werden wird. Hier findet ihr meinen Originalbericht in voller Länge:

3. FAI Weltmeisterschaft der Klasse F3f

Ort: Hanstholm/Dänemark 

Von 2. bis 9. Oktober 2016 fand die dritte Weltmeisterschaft in der Klasse F3f (RC-Hangsegelflug) statt. Als Ort des Geschehens wurde für dieses Event das Naturschutzgebiet Thy und hier speziell die Gegend um Hanstholm in Dänemark ausgewählt. Nach der WM in Donovaly (SVK) 2014 ging es also wieder zurück ans Küstengebiet, was relativ gleichmäßige Wetterbedingungen und somit einen fairen Wettkampf versprach.

Für Österreich haben sich entsprechend dem Qualifikationsmodus während der Saisonen 2014 und 2015 die Piloten Lukas Gaubatz, Martin Ziegler und Franz Prasch qualifiziert. Meine Wenigkeit wurde als Teammanager nominiert, was ich nach den guten Erfahrungen bei der WM 2014 mit demselben Team gerne wieder übernommen habe.

Die Vorbereitung für diese Veranstaltung begann schon im Frühjahr. So mussten die Piloten ein passendes Flugmodell auswählen, diverse Termine für Treffen und Trainingslager wurden vereinbart und natürlich mussten auch Unterkünfte, Flüge und Mietautos sowohl für unser Trainingslager, wie auch für die WM organisiert werden.

Von 12. bis 18. September rückte das gesamte Team erstmals Richtung Hanstholm aus, um sich dort kurz vor der WM eine Woche lang direkt an den WM-Hängen vorzubereiten. Ein solches Trainingslager ist essentiell wichtig, wenn man auf den vorderen Plätzen mit dabei sein will. Man kann so die örtlichen Gegebenheiten kennenlernen und sich rechtzeitig darauf einstellen. Im Gegensatz zur WM 2012 in Rügen/GER oder auch 2014 in Donovaly/SVK sind wir diesmal mit dem Flugzeug von Graz über Frankfurt nach Billund in Dänemark geflogen und von dort aus noch etwa zwei Stunden mit dem Leihwagen nach Hanstholm gefahren. Eine Flugreise mit den recht wertvollen Modellen in den Koffern ist eine durchaus spannende Angelegenheit. Gott sei Dank sind jedoch alle Modelle heil angekommen. Unsere Trainingswoche war geprägt von angenehm warmen und sonnigem Wetter mit leichtem bis mittlerem Wind. Aufgrund der vorherrschenden Windrichtung konnten wir natürlich nicht an allen WM-Hängen trainieren, allerdings doch an mehreren verschiedenen. Am letzten Tag haben wir dann erstmals andere Modellflieger-Kollegen getroffen. Ein paar deutsche Hobbysegler nutzten ihren Familienurlaub für den einen oder anderen Abstecher an die Hangkanten. Durch gegenseitiges Absprechen und respektvollen Umgang miteinander war es so auch kein Problem, dass wir unsere Messanlage aufbauen und abwechselnd mit den Kollegen an der Kante fliegen konnten.

Die Rückreise nach Graz verlief unspektakulär. Für uns ging´s dann für knapp zwei Wochen wieder zurück in den Alltag, ehe es uns am Freitag, dem 30. September erneut nach Hanstholm verschlug. Das gesamte Team traf pünktlich um 05:00Uhr am Flughafen Graz-Thalerhof ein. Wir hatten wieder dieselben Flüge vor uns, wie im Trainingslager, sodass wir gegen 14:00Uhr die WM-Unterkunft im Ort Klitmoeller beziehen konnten. Kaum im Ferienhaus angekommen, mussten die Modelle zusammengebaut und für die am Abend zugeteilte Modellabnahme vorbereitet werden. Um 17:40Uhr konnten wir so in der Zentrale der WM, im Vigso-Feriencenter, die Modelle den anwesenden Helfern, Jury und Wettbewerbsleitung zur Abnahme vorlegen. Da wir eines der ersten Teams waren, zeigte sich noch die eine oder andere Unsicherheit bei den Helfern betreffend der Beschriftung der Modelle. Bei uns war aber letzten Endes alles in Ordnung und die Fluggeräte bzw. die abnehmbaren Einzelteile davon konnten mit speziellen Aufklebern versehen werden. Jeder Pilot darf zur WM 3 Modelle seiner Wahl anmelden. Die Aufkleber sollen sicherstellen, dass im Laufe der WM auch nur diese 3 angemeldeten Modelle verwendet werden können.

Am Samstag und Sonntag gab es einen „Vorbewerb“, welcher von der Anmeldung grundsätzlich offen für alle war. Der Wettergott zeigte sich hierbei aber leider wenig freundlich. Es gab zwar keinen Regen, aber dafür auch so gut wie keinen Wind. In den zwei Tagen konnte so nur eine komplette Runde, und diese noch dazu mit Group-Scoring durchgebracht werden. Das tat der sehr guten Stimmung unter den anwesenden Piloten aber überraschenderweise keinen Abbruch, denn –so wurde uns erzählt- waren schon viele Teilnehmer im Laufe der vorangegangenen Woche angereist und konnten bei ausgezeichneten Verhältnissen fliegen und trainieren. Die zwei ruhigeren Tage wurden also wohlwollend zur Kenntnis genommen und zum allgemeinen Austausch unter den Piloten genutzt.

Am Sonntagnachmittag war eine kleine Eröffnungsfeier geplant. Es gab eine Ansprache des Organisators Regnar Petersen und der Bürgermeisterin der Stadt Thisted. Nach der kurzen Vorstellung der Teams wurde die WM durch Jurymitglied Tomas Bartovsky eröffnet. Wenn man an dieser Weltmeisterschaft etwas bemängeln könnte, wäre es wohl die Länge der Eröffnungsfeier. Nach nicht einmal 30 Minuten war alles vorbei…  Am Abend von 19:45 bis etwa 22:00Uhr wurde noch das obligatorische Teammanagermeeting abgehalten. Bei diesem Treffen sind grundsätzlich nur der Wettbewerbsleiter, Jury und die jeweiligen Mannschaftsführer dabei. Sinn und Zweck ist es, im Vorfeld der WM offene Punkte und Fragen abzuklären. In einem Bulletin des Veranstalters wurden dazu bereits im Vorfeld ein paar Punkte aus dem gültigen F3f-Reglement, welche Raum für Diskussionen zulassen, angeführt und mit Lösungsvorschlägen kommentiert. Hier konnte man schon die ausgezeichnete Vorbereitung durch die Organisatoren erkennen. Auch konnte der Wettbewerbsleiter Jan Hansen in diesem Treffen mit Fachkenntnis und Erfahrung –speziell aus F3b- auftrumpfen. Als Teammanager der österreichischen Mannschaft konnte ich so mit einem sehr guten Gefühl aus diesem Meeting herausgehen. Ich war sicher, dass mit Jan ein äußerst kompetenter und fairer Wettbewerbsleiter durch die kommenden sechs Tage führen würde.

Tag 1 der WM begrüßte uns mit viel Wind aus nordöstlicher Richtung. Der Wettbewerbsleiter entschied sich deshalb, nach „Homburg“ zu fahren. Die Information, an welchem Hang geflogen wird, wurde übrigens täglich um 06:45Uhr auf der Website der Veranstalter (www.wcf3f.dk) veröffentlicht. Der gewählte Hang ist das Aushängeschild der Dänen. Es handelt sich dabei um einen 35 Meter hohen Hang, etwa 120 Meter hinter dem Wasser gelegen. Nach dem Briefing konnte es nun pünktlich losgehen und unser Pilot Martin Ziegler durfte sogleich als erster Starter diese Weltmeisterschaft eröffnen. Ihm gelang unter den neugierigen Blicken der 58 restlichen Piloten plus Teammanagern und Helfern ein sehr guter und fehlerfreier Flug bei deutlich schräg einfallendem Wind.

Auch den zweiten Tag durfte Martin Ziegler gleich als erster Pilot im nunmehr 5. Durchgang am Hang in Vigso eröffnen. Nach Abschluss dieses 5. Durchgangs gab es ein kurzes Statement der Jury: Am Tag zuvor hatte das Team USA einen Protest im zweiten Durchgang eingebracht. Grund war ein fehlendes bzw. falsches Hupsignal eines Wendemarkenrichters, aufgrund dessen ein US-Pilot sein Modell in die Hangkante manövriert hatte. Der US-Pilot erhielt keinen Re-Flight.  Kurz zuvor gab es eine ähnliche Situation mit einem deutschen Piloten, welcher jedoch seinen jäh unterbrochenen Flug nochmals wiederholen durfte. Das Team der Amerikaner sah darin eine Ungleichbehandlung und bekam nun von der Jury Recht. Allerdings blieb der Jury in dieser Situation nichts Anderes übrig, als Durchgang 2 vom Vortag zu annullieren und nochmals fliegen zu lassen.  Letzten Endes konnten am zweiten Tag fünf volle Durchgänge beendet werden. Bei einer Startzeit von etwa 09:00Uhr konnte der letzte Pilot am Abend gegen etwa 18:30Uhr landen. Bei insgesamt 59 teilnehmenden Piloten ist das eine wirklich ausgezeichnete Leistung der Veranstalter.

Auch am dritten Tag am 25 Meter hohen Hang in Kridtvejen gab das Team um Jan Hansen und Regnar Petersen alles und schaffte weitere fünf Durchgänge. Zur Halbzeit der WM am Mittwochabend stand bereits eines fest, nämlich, dass nichts feststand. Die Platzierungen unter den ersten 20 Piloten waren bis zu diesem Zeitpunkt sehr eng beisammen und die Reihenfolge änderte sich nach jedem Durchgang. Einzig Helge Borchert und Thorsten Folkers aus Deutschland lieferten sich leicht abgeschlagen ein heißes Match um den Weltmeistertitel. Sicher brauchte sich zu dem Zeitpunkt aber noch niemand sein, denn, nur ein Fehler konnte einige Plätze kosten. Und wenn –wie bei einer WM üblich- immer am Limit geflogen wird, sind Fehler nur eine Frage der Zeit.

Der Donnerstag begann mit einem außerplanmäßigen Teammanagermeeting am Hang. Jan Hansen teilte uns darin mit, dass aufgrund der bereits vielen geflogenen Runden und der sehr guten Wettervorhersage bis zum Ende der WM, am Donnerstag und Freitag jeweils nur noch maximal vier Runden geflogen werden sollten und der Samstag sogar komplett frei sein sollte. Ich konterte sofort, dass in der Ausschreibung auch der Samstag als normaler Wettbewerbstag angeführt sei und somit geflogen werden muss. Ebenso einigten wir uns beim ersten Teammanagermeeting darauf, dass so viele Runden wie möglich geflogen werden sollen und Durchgänge bis 17:00Uhr zu starten sind. Jan ließ daraufhin die anwesenden Teammanager abstimmen. Dass Abstimmungsergebnis war ernüchternd: 9 Teams waren für den Vorschlag von Jan, 7 Teams waren dagegen; der Rest enthielt sich. Mit Unterstützung der Jury konnte ich den Wettbewerbsleiter letzten Endes jedoch dazu bewegen, das Abstimmungsergebnis zu ignorieren und wie ursprünglich geplant, so viele Durchgänge wie möglich zu fliegen; auch am Samstag. An dieser Stelle möchte ich anmerken, dass ich die Beweggründe von Jan durchaus nachvollziehen kann. Seine Helfer sitzen jeden Tag im starken Wind, bei Temperaturen um 10°C und machten diese WM durch ihren Einsatz erst möglich. Dass er aufgrund der bereits geflogenen Rundenzahl seinen Helfern etwas Erleichterung verschaffen wollte, ist aus seiner Sicht durchaus verständlich. Nichts desto trotz ist es gerade in der Klasse F3f -eine Wettbewerbsklasse die sehr stark von den Wetterbedingungen (Stichwort Thermik) abhängig ist- sinnvoll, möglichst viele Durchgänge zu fliegen um am Ende ein möglichst faires Ergebnis zu bekommen.

Für mich als Teammanager war dieser Donnerstag der spannendste WM-Tag, nicht zuletzt auch deshalb, weil ich am Ende des Tages erstmals einen offiziellen Protest einlegen musste. Wie besprochen wurde noch ein Durchgang vor 17:00Uhr gestartet, welcher allerdings mittels Group-Scoring in zwei Gruppen erst am zweiten Tag fertig geflogen werden sollte. Ein Group-Scoring sollte eigentlich nur in Ausnahmefällen (z.B. bei schlechtem Wetter) angewendet werden. Da die Wetterbedingungen ausgezeichnet waren und es keinen, den F3f-Reglement entsprechenden Grund, für dieses Group-Scoring gab, sprach ich zuerst mit Jan und versuchte ihn zu überzeugen, den Durchgang doch zu Ende zu fliegen. Diesmal blitzte ich mit meinen Argumenten jedoch ab, sodass mir keine andere Wahl blieb, als offiziell einen Protest einzureichen. Ein solcher Protest muss in schriftlicher Form unter Vorlage der Protestgebühr beim Wettbewerbsleiter eingebracht werden. Der Wettbewerbsleiter gibt diesen Protest dann an weiter an die Jury, welche sich nun damit beschäftigen muss. Da es am Donnerstag keine Entscheidung der Jury mehr gab, zogen wir von Dannen und freuten uns auf den nächsten Tag.

Der Freitag begann für mich mit einer großen Überraschung. Die Jury kam zu der Entscheidung, meinen Protest nicht zu bestätigen oder abzulehnen, sondern zurückzuweisen. Die Begründung von Tomas Bartovsky als Sprecher der Jury war, dass der Protest zu spät eingereicht wurde. Nun ja, ich habe den Protest während des laufenden Durchgangs vorbereitet, geschrieben und eingereicht. Noch schneller war es mir leider nicht möglich. Diese Entscheidung der Jury wurde natürlich dem gesamten Teilnehmerfeld kundgetan. Leider gab es auch nach mehrmaligem Nachfragen anderer Teammanager keine Erklärung von Tomas Bartovsky zu dieser Entscheidung.

Fliegerisch war dieser vorletzte WM-Tag für unser Team ein durchwachsener. Um in der Teamwertung und natürlich auch im Einzel aufzuholen und Jagd auf das Podest zu machen, musste volles Risiko eingegangen werden. Martin, Lukas und Franz konnten so mit sehr guten Flügen Punkte gutmachen und holten in der Wertung auf. Leider musste Lukas jedoch nach einem Crash eine Nullwertung hinnehmen, was ihm nicht nur ein Modell kostetet, sondern in der Einzelwertung auch gleich einige Plätze nach hinten warf. Martin konnte sich hingegen auf den 5. Platz vorarbeiten. Auch am Ende des vorletzten Tages war noch (fast) alles möglich. Gut, Helge und Thorsten lieferten sich einen unerbittlichen Kampf um den Titel mit einem kleinen Sicherheitspolster nach hinten. Die beiden würden es sich am Samstag unter sich ausmachen. Aber Platz 3 bis Platz 15 lagen nach wie vor sehr eng beisammen. Auch war aufgrund der Wettervorhersage am Freitagabend schon klar, dass die letzten drei Durchgänge am Samstag in Vigso, einem Inlandhang mit stärkeren thermischen Einflüssen, geflogen werden würden. Es war also noch sehr viel möglich.

Tatsächlich spielte der Samstag unserem Team nahezu perfekt in die Hände. Die ausgezeichneten Flüge der ganzen Woche wurden nun belohnt und so konnte sich das gesamte Team noch auf den 4 Platz vorkämpfen.  In der Einzelwertung schaffte es Martin Ziegler auf Platz 4. Lukas Gaubatz belegte am Ende den 9.Platz und Franz Prasch konnte sich auf Platz 35 einreihen. Der Kampf um den Titel wurde erst im letzten Durchgang entschieden. Thorsten Folkers konnte sich letzten Endes gegen Helge Borchert durchsetzen. Zusammen mit Siggi Schedel und Teammanager Tobias Reik konnten sie so auch den Mannschaftstitel wieder zurück nach Deutschland holen.

Am Samstagabend wurde die WM feierlich bei einem ausgezeichneten Banquet in Vigso abgeschlossen.

So, ich sitze nun hier zuhause an meinem PC und während ich diese Zeilen verfasse, kommen die vielen schönen und auch aufregenden Erinnerungen an diese WM hoch: die sehr gute, lockere und kollegiale Stimmung im Pilotenlager während der gesamten WM, die perfekten Flüge des frisch gebackenen Weltmeisters „ToFo“, der kleine Reparaturabend im Österreicher-Haus,  die absolut fairen Wendemarkenrichter (welche eigene Fehler sofort zugegeben haben), ein genialer und mit richtig „Spaß-an-der-Freude“ geflogener 1000er von Siggi Schedel im letzten Durchgang…

Abschließend bleibt mir nur noch eines: mich im Namen des gesamten Teams für diese besondere Erfahrung zu bedanken. Und zwar bei: Regnar Petersen, Jan Hansen und dem gesamten Helfer-Team dieser absolut genialen Veranstaltung. Bei Monika Gewessler vom österreichischen Aeroclub für ihre tolle und unkomplizierte Unterstützung während der Vorbereitung und der formalen Abwicklung vor und nach dieser WM und natürlich bei allen unseren Unterstützern und den vielen Freunden, die von zuhause aus mitgefiebert und uns die Daumen gedrückt haben.

Ergebnisse und weitere Infos zur WM: http://www.wcf3f.dk/

 

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